Welcher Lernweg ist für dich geeignet?

Es gibt unzählige Möglichkeiten, das Handpanspielen zu erlernen. Die für dich beste Form für dich hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise:

  • Welche Ziele möchtest du erreichen?
  • Hast du schon ein Instrument und wenn ja, welches?
  • Kannst du dich selber motivieren?
  • Welcher Lerntyp bist du?
  • uvm.

Ich möchte dir ein paar Ideen an die Hand geben, nach denen du den für dich besten Lernweg herausfinden kannst. Alles basiert auf meiner eigenen Einschätzung und meinen Erfahrungen mit den jeweiligen Lernformen (ich habe sie alle ausprobiert 😉

Variante 1: Experimentieren

Du kaufst oder mietest dir ein Instrument und legst einfach drauflos. Genau wie zu Kinderzeiten, in denen wir Dinge einfach ausprobiert haben und fasziniert waren, was alles möglich ist.

Du kannst entweder alleine starten oder kennst schon Leute, die auch spielen. Das erleichtert den Einstieg, da du dir dort auch etwas abschauen kannst. Schaue dich am besten nach Möglichkeiten um, in deiner Umgebung andere Handpanbegeisterte zu treffen.

Vorteile

  • freiste und ungezwungenste Art des Lernens – basierend auf Neugier, Intuition und der Freude am Experimentieren
  • großes Potential einen eigenen Stil zu entwickeln

Nachteile

  • wenig strukturiertes Spiel – man stößt schnell an Grenzen oder spielt immer wieder dasselbe
  • es fehlen die Inspirationen, was man alles noch ausprobieren könnte (Tipp: höre dir viel Musik von unterschiedlichen Spielern an)
  • wenn es nicht gleich klappt, kann die Motivation zum Weitermachen schnell nachlassen
  • du brauchst gleich zu Beginn ein eigenes Instrument
  • kein Feedback zu deiner Spieltechnik – du eignest dir möglicherweise eine ineffiziente oder unergonomische Spielweise an

In welchem Fall ist dieses Format für dich geeignet?

Diese Lernform ist geeignet für all diejenigen, die Freude am Experimentieren haben und die Handpan vor allem zur Entspannung und weniger zum Musizieren nutzen möchten. Wenn du weiterkommen möchtest, hilft dir musikalisches Grundwissen, beispielsweise vom Spielen eines anderen Instruments.

Variante 2: Selbststudium mithilfe von Social Media und Youtube

Bei dieser Variante legst du dir ein Instrument zu und stöberst im Internet nach kostenfreien Lehrvideos auf Youtube, folgst den passenden Social Media Accounts und probierst selber die Patterns und Spieltechniken aus, die dort gezeigt werden. Mittlerweile gibt es für alle Schwierigkeitsstufen unzählige Inhalte in verschiedenen Qualitätsstufen.

Vorteile

  • die Inhalte stehen dir kostenfrei zur Verfügung
  • Inhalte in kleinen Häppchen, immer wieder mal etwas neues ausprobieren statt „Lernen“
  • Es gibt zu allen Themen Inhalte – sei es zur Spieltechnik, zur Harmonielehre, Melodie, Rhythmen und Grooves, Pflege der Handpan und und und
  • man kann mit genügend Selbstdisziplin hiermit sehr weit kommen und einen sehr vielfältigen Spielstil entwickeln

Nachteile

  • Es besteht die Gefahr, dass die vermittelten Inhalte nur oberflächlich angespielt und „abgehakt“ werden, ohne sie wirklich zu vertiefen
  • du brauchst die Disziplin, dich selber zum Lernen zu motivieren
  • wer seine Lücken nicht kennt, kann sie nicht schließen – du musst die richtigen Inhalte für dich erstmal finden
  • Social Media Inhalte können flüchtig sein und sind damit eher als Inspirationshäppchen geeignet
  • du bekommst kein Feedback zu deiner Spieltechnik
  • keine übergreifende Struktur: es kann dazu führen, dass du am Ende zwar eine Sammlung vielfältiger Patterns hast, aber nur genau die spielen kannst und dir die übergreifenden musikalischen Zusammenhänge fehlen (wie drücke ich mich aus, wie nutze ich gelernte Patterns, welche Stellschrauben habe ich um meine Muster zu variieren?)

In welchem Fall ist dieses Format für dich geeignet?

Wenn du vorwiegend alleine für dich lernst und einen Überblick hast, wo deine Lernfelder liegen und welche Themen dich weiterbringen könnten, ist dieses Format sehr kostengünstig und effektiv. Du beantwortest dir deine Fragen selber, indem du nach den passenden Inhalten suchst.

Variante 3: Selbststudium mithilfe von Onlinekursen

Bei dieser Variante folgst du einem Onlinekurs, der nach einem festen Schema aufgebaut ist und auf ein bestimmtes Themengebiet zugeschnitten ist, zum Beispiel Basics für Einsteiger. Es gibt viele etablierte Anbieter mit unterschiedlichem Schwerpunkt, verschiedenen didaktischen Ansätzen und auch unterschiedlichen Voraussetzungen an dein Vorwissen.

Vorteile

  • du lernst vollkommen zeit- und ortsunabhängig, nur eine Internetverbindung ist erforderlich
  • die Inhalte sind üblicherweise „lifetime“ verfügbar, so dass du sie auch später nochmal anschauen kannst
  • (meistens) logischer Aufbau nach didaktischen Grundregeln und die wesentlichen Lernfelder werden abgedeckt
  • vergleichsweise günstig

Nachteile

  • Der Kurs kostet Geld – abhängig vom Anbieter und Qualitätslevel auch mehrere Hunderte Euro
  • Es wird im Kurs normalerweise eine bestimmte Scale verwendet – wenn man eine andere hat, sind die Inhalte nicht 1:1 übertragbar
  • du brauchst wie bei Variante 2 auch die Disziplin, die Inhalte wirklich zu vertiefen und nicht nur oberflächlich abzuhaken
  • Du bekommst kein Feedback zum eigenen Spiel
  • Der Kurs endet am Kursziel – entweder reicht dir der Inhalt zum Selberspielen, oder du musst einen weiteren Kurs suchen, der darauf aufbaut
  • Du bist an den Aufbau des Kurses gebunden und lernst dadurch tendenziell einen bestimmten Stil (Tipp: das Durcharbeiten verschiedener Kurse kann dir helfen)

In welchem Fall ist dieses Format für dich geeignet?

Wenn du gerne alleine und zeitunabhängig lernst, aber keine Lust hast, aus dem Wildwuchs im Internet die für dich wichtigen Inhalte herauszusuchen, bist du bei einem Onlinekurs gut aufgehoben. Am besten planst du die Teilnahme an verschiedenen Onlinekursen, um mehr Vielfalt im Spielstil zu erlangen.

Variante 4: Gruppenworkshops

Es gibt mittlerweile Workshops sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Sie finden an einem festen Termin und einer festen Location statt und du triffst dich mit anderen Gleichgesinnten.

Vorteile

  • Ein Workshop findet vor Ort statt und du triffst echte Menschen und einen echten Lehrer statt nur deren Online-Abbilder
  • Du lernst in einer Gruppe, die ähnliche Fragen und Herausforderungen hat wie du.
  • Du kannst deine eigenen Fragen stellen und auch von den Fragen der anderen profitieren
  • Du bekommst ein Instrument gestellt und kannst unverbindlich ausprobieren, ob das Spielen etwas für dich ist oder nicht
  • Du kannst die Gelegenheit auch nutzen, um Spielpartner zu finden und gemeinsam nach dem Workshop weiterzumachen
  • der Workshop hat einen sehr strukturierten und bewährten Aufbau, der dich ohne Umwege auf ein bestimmtes Ziel bringt

Nachteile

  • du zahlst einen Teilnahmebeitrag
  • du bist örtlich und zeitlich gebunden
  • Wenn du am Workshoptag krank wirst oder anderweitig kurzfristig verhindert bist, fällt es für dich aus
  • nach dem Workshop hast du eventuell keinen weiteren Anschluss und auch noch kein Instrument – deine Spielmotivation kann dann sinken
  • es gibt nicht für alle Themengebiete gezielte Workshops. Es sind eher Rundum-Pakete, die viele Themen anschneiden. Das Vertiefen liegt dann bei dir.

In welchem Fall ist dieses Format für dich geeignet?

Wenn du noch unsicher bist, ob das Handpanspielen für dich was ist und du Spaß daran hast, ist ein Einsteigerworkshop die ideale Möglichkeit. Du bekommst das Instrument gestellt, hast mehrere Stunden Spaß in der Gruppe und selbst falls du danach nicht weitermachst, hattest du immerhin eine gute Zeit und vielleicht nette Leute kennengelernt.

Ein Aufbauworkshop ist dann geeignet, wenn du schon eine Zeit lang spielst und einen Überblick brauchst, auf welchen Feldern du dich noch weiterentwickeln kannst. Er gibt dir auch eine gute Grundlage zum weiteren eigenen Experimentieren (Variante 1).

Variante 5: Einzelunterricht

Du buchst dir eine oder mehrere Stunden bei einem Lehrer und kannst damit sehr zielgerichtet und intensiv lernen.

Vorteile

  • Nutzung von bereits vorhandenen Fähigkeiten und Stärken, um darauf aufzubauen
  • Gezielte Vertiefung der Themen, die dir besonders wichtig sind
  • Zusätzlicher Spielanreiz durch regelmäßige persönliche Treffen mit dem Lehrer
  • du kannst auf deinem eigenen Instrument lernen, auch wenn es eine exotischere Scale sein sollte
  • du bekommst unmittelbares Feedback zu Entwicklungspotentialen und außerdem viele kleine Tipps zwischendurch, die dich weiterbringen
  • der Lehrer kann auf deinen Wissensstand eingehen und nur so viel „Fachsprache“ nutzen, wie du brauchst

Nachteile

  • Die Variante ist kostspielig, da du exklusive 1:1-Zeit mit einem Lehrer buchst
  • du wirst voraussichtlich mehrere Einzelstunden brauchen, da die Inhalte für eine Stunde und vor allem auch dein Aufnahmevermögen begrenzt sind
  • du bist zeitlich und örtlich gebunden und neben der Stunde selber fällt auch Zeit für die eigene Vor- und Nachbereitung an
  • von allen Formaten fühlt sich das am stärksten nach Lernen an – womöglich sogar inklusive Hausaufgaben!
  • Lehrer haben unterschiedliche Ansätze und Persönlichkeiten und du musst jemanden finden, mit dem du persönlich gut klarkommst

In welchem Fall ist dieses Format für dich geeignet?

Du solltest das Handpanspielen „ernsthaft“ verfolgen und vorankommen wollen. Du solltest auch ein eigenes Instrument haben (gekauft oder gemietet), um zwischen den Unterrichtseinheiten selber üben zu können. Es wird dich nicht voranbringen, dich nur auf den unterricht zu verlassen und dazwischen nicht auch selber zu spielen.

Mein Fazit

Die Formate können auch miteinander kombiniert werden und aufeinander aufbauen. Es ist beispielsweise eine sehr gute Idee, erstmal mit einem Workshop anzufangen und anschließend das Wissen eine Zeitlang mit Onlineinhalten zu vertiefen oder einfach zu experimentieren. Wenn du merkst, dass du dranbleiben möchtest oder einen bestimmten Stil erlernen möchtest, sind gezielte Einzelunterrichtseinheiten eine tolle Ergänzung.

Das Allerwichtigste ist aber die Freude am Lernprozess und am Spielen. Finde für dich ein Lernformat und einen Weg, der dich motiviert und zu deinen Lebensumständen passt, dann steht der Spielfreude nichts mehr im Wege.

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